"Wie konntest du es nur deiner Mutter antun?" sagte meine Oma in einem sehr strengen und bösen Ton mir am Telefon. "Sie hat doch alles für dich gemacht.." ging es weiter.
Nein, Oma. Sie hat eben nicht alles gemacht. Sie hat es suggeriert, aber in der Realität sah das anders aus. Ich bin wochenlang ohne jegliche Mahlzeit in die Schule gegangen, hatte Hunger und hatte auch kein Geld um mir was am Kiosk oder am Bäcker was zu kaufen. Getrunken habe ich meist in der Mädchentoilette vom Wasserhahn. Mama war auch tagelang nicht Zuhause sondern beim Nachbarn zwei Etagen höher und ich war völlig unbeaufsichtigt und wohlbemerkt, da war ich noch minderjährig. ☝🏻
Mittagessen und/oder Abendessen haben auch so gut wie nie stattgefunden, weil sie entweder nicht da war oder zu betrunken um etwas vorzubereiten.
Stattdessen wurde ich mit abwertenden Kommentaren abgefertigt oder direkt beleidigt.
Ich hörte sie Mal am Telefon reden: "Hätte ich die nicht bekommen, da hätte ich auch meine Karriere weitermachen können." Oder hat es mir direkt ins Gesicht gesagt, dass sie mich am liebsten abgetrieben hätte, da ich ja eine Fehlentscheidung war. Mit 13 Jahren war ich teilweise schon soweit, dass ich mein Testament geschrieben habe, anschließend ihr das auf den Tisch gelegt habe und war gerade dabei, mir die Hand auf zuschneiden. Sie erwischte mich dabei und es gab natürlich großen Ärger und wurde wieder klein gemacht. Das sie eigentlich der Grund war, habe ich ihr nie erzählt - aus Scham.
Dann gab es eine Situation, die werde ich im Leben nicht vergessen. Ich habe mir IMMER geschworen, werde ich ihr gegenüber handgreiflich, verschwinde ich. SPOILER: Es passierte.
Ich war da gerade 19 Jahre alt und sie hat mich so zutiefst provoziert, dass ich nicht mehr konnte. Dreimal hatte ich sie gewarnt mit den Worten: "Komm nicht näher, bitte. Es reicht." Und sie hörte nicht auf. Sie drohte mir mit dem Tod: "Wenn ich dich schlage, erholst du dich nie mehr davon, dann bist du tot!" und da habe ich sie geschubst. So stark geschubst, dass sie hinfiel. Sowohl sie als auch ich waren erschrocken und ab da war mir klar, dass das nicht mehr so weitergehen kann, ich wusste, dass ich noch mehr Wut in mir trug und das diese irgendwann raus will. Also packte ich meine Sachen und zog zu meinem damaligen Freund.
Ich wohnte eine Stadt weiter und dachte, durch die Entfernung, dass das sich wieder legen würde, sodass man wieder einen gemeinsamen Zugang zueinander findet, aber dem war nicht so. Ich hatte gemerkt, dass die Spannung immer noch in der Luft lag, aber wollte dennoch nicht die Hoffnung aufgeben und besuchte sie zeitweise. Aber an einem Tag, ging es mir nicht so gut, sodass ich sie anrief um ihr das zu sagen, dass ich dann wann anders kommen kann und da ging es erst richtig los. Wie sie mich da niedergemacht hat, war nicht mehr von dieser Welt. Und was tat ich? Ich habe einfach aufgelegt. Ich konnte das einfach nicht mehr, ich war es einfach satt. Nach einigen Tagen rief mich dann Oma an und fragte mich das wie ich das denn machen könnte mit meiner Mutter. Ich weiß nur noch das ich darauf mit "Tja, Oma." geantwortet habe.
Natürlich ging mir das alles zu nahe und habe auch immer an meiner Mama gedacht und mir auch zum Teil die Schuld gegeben, aber was hätte ich denn sonst machen sollen? Knapp 3 Jahre habe ich sie "ignoriert". Bewusst ignoriert in der Hoffnung, dass ich innerlich wieder heilen kann, aber es hat nichts daran geändert.
Nach den 3 Jahren habe ich wieder Kontakt aufgenommen, weil ich hörte, dass sie im Krankenhaus wäre, weil sie sich versucht hat, dass Leben zu nehmen. Und man will es nicht glauben, aber sie war nüchtern und ein komplett anderes Mensch. Sie hat ihre Sucht als Dämonen bezeichnet und hat sich für alles entschuldigt. Klar, die Wunden sind noch da und auch die Folgen ihrer Erziehung, aber ich konnte noch gut ein Jahr ihre wahre Mutterliebe erfahren und das war gut.
Ich verstehe ja, wenn Eltern meinen, sie seien Sauer darüber, wenn ihre Kinder einfach den Kontakt abbrechen, aber vielleicht haben die Kinder ja genug Warnsignale abgegeben und diesen Abbruch als letzten Ausweg gesehen? Kinder machen sowas ja nicht aus Spaß, weil das gerade Trend ist oder so. Es liegen mehrere Gründe dahinter und da sehe ich die Eltern in der Pflicht, sich damit Mal auseinanderzusetzen als immer nur die Schuld den Kindern zu geben. So einfach kann man es sich auch nicht machen. Mir hat das Herz geblutet, als ich einfach aufgelegt und beschlossen habe, den Kontakt jetzt endgültig abzubrechen. Mein Magen tat richtig weh, sodass ich eine Magenschleimhautentzündung entwickelt habe und dafür knappe 2 Wochen im Krankenhaus lag. Abbrüche haben IMMER einen Grund, man muss nur dazu bereit sein, diese zu erfahren.
Als ich den Kontakt abbrach..
